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Ich hatte einen Bericht von Hallowell gelesen und diesen zum Anlass genommen andere ADSler über ihre Meinung zu befragen. Hier das Ergebnis:


Marlies


























 
Hallo Struwel
Ich versuch es einfach mal ,hoffe ich kriege es hin.
Also zuerst die Positiven:.
Ads heißt für mich :
Feinfühlig
Verständnisvoll
Hilfsbereit
Offen für vieles Neues
Kontaktfreudig
Leicht zu begeistern
Intellegent


Im negativen:
Ungeduldig z.B.nicht abwarten können, mitten ins Wort fallen.
Alles zuerst schwarz sehen.
Ängste (hier ein Beispiel von mir) Ich hatte schon als Kind Angst meinen Vater zu verlieren,obwohl er nicht krank war und noch jung war.
Unorganisiert
Panik sobald Stress aufkommt.
Kann wichtige Dinge nicht von unwichtigen unterscheiden.

Denke ich habe hier schon einiges aufgeführt.
Bin gespannt was ihr noch so schreibt.

Gruß Marlies
 
  
Julia 



















 
huhu,
 
ich werd mal versuchen mein momentanes hirnlego in worte und sätze zu fassen die jeder versteht.

ich denke die schwierigkeit bei ads ist es doch nicht mit sich selber klar zu kommen sondern mit seiner umwelt. mein mann hat ads oh ja das hat er und alles was Hallowell da schreibt das macht er während des essens aufstehen ,spitze kommentare machen, mich mitten im satz stehen lassen und mir fällt noch viel ein.

ich hab keine ahnung ob ich nun nur borderline hab oder ads oder beides. ich weiß nur das ich menschen mit ads liebenswert finde und verstehe und mit ihnen besser klar komme als mit normalos auch wenn unser haushalt mit drei ads kindern im chaos versinkt und wir weiß gott keine perfekten eltern sind.

jetzt hab ich am thema vorbei geschrieben *lach* also doch ads

iulia
 
  
Sassa   
















 



















 
hallo,
 
das ist eine gute frage ....was es heißt ADS zu haben.

ein ständiges selbstmotivieren ,bei mir ist es so....da ich mehr hypo bin....ich brauche unheimlich lange bis mein motor am laufen ist und ohne medis würde ich es nicht schaffen morgens routinemäßig mein programm abzuspulen. dann wirft dich etwas unerwartetes vollkommen aus der bahn....irgendwie muß man sich auf alles was ansteht einstellen und vorbereiten können ist dies nicht der fall chaos im kopf.

im grunde genommen ist ein immer wiederkehrender kampf mit dem eigenen ich. marlies hat die positiven und negativen eigenschaften sehr schön geschrieben.

was ich an mir selber und meinem ads mag, ist meine spontanität und kreativität. und was ich im laufe der zeit auch bei anderen festgestellt habe - wir sind wesentlicher belastbarer als mancher normalo und wir haben sehr viel zu geben. aber wie erwähnt, es ist ein kampf mit sich selbst - alleine das strategien entwickeln usw.

und wenn du dann noch eine komorbidität dabei hast (so wie ich *depris und bordi*) das wird es spaßig.
mein ziel es mal ohne medis zu schaffen habe ich erstmal wieder auf eis gelegt.....bin ziemlich ruhiggestellt damit es irgendwie funktioniert. die ruhigstellung bewirken die neuros und das ad.

ich bewundere die menschen die unter ADS leiden, wie sie es immer wieder schaffen mit sich und der umwelt irgendwie in einklang zu kommen und nie aufzugeben und manche schaffen es sogar ohne jegliche medikamente.

so nun habe ich schön am thema vorbei geschrieben dennoch...

ganz liebe grüsse *sassa*

dievielemurmelnimkopfhat
 
  
Snoopy
 

































































































































































































  
Der Verdacht, ADS zu haben...
 
kam mir erst mit 42, als bei meinem Sohn die Diagnose gestellt wurde und ich mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen begann.

Je mehr ich darüber las, desto mehr Aha-Erlebnisse hatte ich – viele meiner Schwierigkieten, die ich für Charakterschwäche, Unfähigkeit und Dummheit gehalten hatte, paßten zu ADS.

Dabei bin ich wohl eigentlich eher ein „leichter Fall“, habe auch viel Glück und doch allerhand Tricks zum Kompensieren gehabt.

Meine Vergeßlichkeit war zu dem Zeitpunkt mein größtes Problem – so schlimm, daß ich Angst hatte, womöglich Alzheimer zu haben und mich schließlich zur Diagnose-Abklärung durchrang.

Ein Beispiel: Ich ließ Wasser ins Spülbeckenund  schaute dabei aus dem Fenster.  Super–Wetter, da könnte ich doch eben schnell Wäsche ansetzen, die könnte doch schonmal waschen inzwischen. Ich ging also in den Keller, setzte Wäsche an, brachte den Wäschekorb ins Bad zurück. Dann begann ich, im Bad sauber zu machen und aufzuräumen. Ich brachte dabei auch einige Sachen ins Schlafzimmer und  machte dort das Bett. Das Telefon klingelte, ich sauste durch die Küche, um ranzugehen –verflixt, das Spülwasser war inzwischen kalt! Außerdem  waren weder Bad noch Schlafzimmer fertig, dafür konnte es passieren, daß die Wäsche einige Tage in der Maschine blieb und ich sie nochmal waschen mußte.

Viele Probleme hatte ich eigentlich schon immer, aber sie wurden mir immer mehr bewußt, und ich hatte natürlich allerhand Methoden entwickelt, um sie zu kaschieren.

Ich schrieb grundsetzlich -Zig Zettel, damit ich nicht dauernd alles vergaß – verlor dann aber die Übersicht darüber oder buddelte sie irgendwo in einem Stapel unter.

Überhaupt galt: aus den Augen, aus dem Sinn: was ich erledigen wollte, mußte ich mir regelrecht in den Weg legen, sonst hatte ich keine Chance.

Einkaufen? Nur mit Zettel, aber trotzdem dachte ich oft nicht an alle Dinge, die darauf standen – wenn ich nicht eh gleich den Zettel zu Hause vergaß.

Ich redete dazwischen oder beantwortete Fragen, ehe sie fertig gestellt waren (was besonders meinen Mann nervt), weil ich sonst schon wieder mit den Gedanken ganz woanders war und einfach nicht mehr wußte, was ich sagen wollte.

Mein Zeitgefühl war praktisch nicht vorhanden. Ich schaffte nichts, ohne mich in enormen Zeitdruck zu bringen, denn ich hatte Schwieigkeiten, überhaupt „in Gang“ zu kommen. Wenn ich aber einmal mit etwas angefangen hatte, konnte ich schlecht wieder aufhören, das galt sowohl für ungeliebte Dinge (z.B. im Haushalt), als auch für angenehme (z.B. lesen). Sollte ich wider Erwarten einmal so früh mit etwas angefangen haben, daß ich sogar zu früh fertig war, fiel mir bestimmt irgendwas ein, das ich „noch eben schnell“ erledigen könnte – und schon kam ich wieder in Druck.

Wenn ich las, verschlang ich die Bücher regelrecht, aber hinterher wußte ich oft gar nicht mehr, worum es eigentlich ging. Filme konnte ich ruhig mehrmals anschauen, sie waren immer spannend, da ich mich nie ans Ende erinnern konnte (den Anfang von Filmen im TV verpaßte ich sowieso grundsätzlich)

Ich versuchte, mir Listen zu machen, was ich zu tun hätte. Ich war aber häufig unfähig, diese in einer vernünftigen Reihenfolge abzuarbeiten und begann mit völlig unwichtigen Sachen, die wichtigen bleiben übrig.

In Gruppen und in Restaurants hatte ich oft Schwierigkeiten, dem Gespräch zu folgen, da ich die anderen Gespräche um mich herum ebenso mithörte. Wenn dann das andere Thema interessant war, hätte ich mich gern daran beteiligt. Aus Erfahrung wußte ich jedoch, daß sowas bei den eigentlichen Gesprächspartnern nicht gut ankommt. Trotzdem konnte ich mich oft nicht richtig auf ein Gespräch konzentrieren und war daher der ideale Geheimnisträger - ich kriegte vieles gar nicht erst mit oder vergaß es schnell wieder.

Oft redete oder handelte ich ohne zu denken, was auch dazu führte, in so ziemlich jedes Fettnäpfchen  zu treten.

Oder ich hatte gerade wieder eine schlechte Erfahrung damit gemacht und grübelte so lange rum, bis sich das Handeln oder Reden erübrigt hatte.

Obwohl ich Freunde und Bekannte hatte, fühlte ich mich oft nicht recht dazugehörig und dachte, den anderen lästig zu sein.

Ich bekam manchmal gar nichts mit, was andere Menschen betraf, oder ich „las zwischen den Zeilen“ – leider sogar Dinge, die dort gar nicht standen.

Mein Gerechtigkeitssinn war dermaßen stark, daß man ihn eigentlich schon als „Gerechtigkeitsfimmel“ bezeichnen müßte – selbst Robin Hood hätte daggen blaß ausgesehen.

Wenn ich mich für eine Sache interessierte, warf ich mich regelrecht darauf und machte dann alle anderen wuschig, weil ich sie regelrecht missionieren wollte und  dauernd über das betreffende Thema redete.

Ich war ein „Kümmerer“ und steckte mich auch ungebeten in alle möglichen Sachen rein, was mir im Nachhinein oft peinlich war.

Kritik nahm ich sehr persönlich und hatte insgesamt ein ziemlich schlechtes Selbstwertgefühl.

Dann bekam ich die ADS-Diagnose und seitdem auch Methylphenidat, inzwischen seit 4 Jahren.

Beides änderte eine Menge in meinem Lebensgefühl und meinem Leben.

Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: ich bin mit Medikamenten nicht so schnell bei der Hand, nehme lieber homöopathische Mittel. Für meine eigenen Probleme und die meines Sohnes hatte ich, bevor ich auch nur ahnte, daß es ADS gibt, bereits die verschiedensten Versuche gemacht (z.B. Homöopathie, Bachblüten, Autogenes Training, Familientherapie) – mal mit mehr, mal mit weniger oder ganz ohne Erfolg.

Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, sich genau über Vorteile und Nachteile einer Medikation zu informieren und dann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt über die weitere Vorgehensweise zu entscheiden.

Mit MPH hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben vor Weihnachten nicht die Angst, daß jeden  Moment das Chaos über mir zusammenbrechen würde!

Allerdings wurde mir auch manche meiner Macken erst richtig bewußt.

Ich dachte, nun wollte ich mein Leben umkrempeln, mich endlich ändern und so werden wie alle anderen.

Mit MPH  habe ich das Gefühl, daß ich mich und andere irgendwie besser, klarer wahrnehmen kann.

Ich bin in der Lage, meine Gedanken besser zu sortieren und Dinge, die ich mir vorgenommen hatte auch wirklich auszuführen (zumindest entschieden besser). Ich kann mich besser steuern, muß anderen nicht mehr unbedingt ins Wort fallen.

Meine Konzentration ist unter MPH viel besser und ich kann mich auf ein Gespräch einlassen, ohne die anderen Gespräche rundrum zwanghaft mitzuverfolgen.

Positiver Nebeneffekt davon ist, daß ich inzwischen in weniger Fettnäpfchen trete.

Insgesamt bin ich seit MPHüberhaupt erst in der Lage, an mir selber zu arbeiten.

Es gab auch eine Selbsthilfegruppe in der nächsten Stadt, an der ich teilnahm. Zwar ging es überwiegend um die Probleme mit ADS-Kindern, aber das kam mir für meinen Sohn und auch für mich zugute.

Nach gut zwei Jahren merkte ich jedoch, daß ich nicht mehr weiterkam, beantragte eine begleitende Therapie und bekam 40 Stunden bewilligt. Leider gibt es hier in der Gegend keine Therapeuten, die sich mit ADS bei Erwachsenen auskennen und von der Krankenkasse bezahlt werden, aber das war nunmal so.

Im Verlauf der Therapie stellte sich auch heraus, daß ich zusätzlich eine Depression habe. Es hat lange gedauert, bis ich mir das eingestehen und letztendlich auch eine zusätzliche Medikation akzeptieren konnte.

Allerdings wurde mir durch die Therapie und durch intensive „Gespräche“ in Chats mit anderen ADS-lern auch klar, daß ich gar nicht wirklich alles an mir ändern wollte.

Ich möchte z.B. meine Spontanität keinesfalls missen, auch wenn daraus manchmal Probleme entstehen.

Ich werfe mich in interessante Themen nachwievor hinein, aber auch das möchte ich beibehalten.

Ebenso wie ich inzwischen als Gabe zu schätzen gelernt habe, daß ich mich gut in andere hineinversetzen kann und gerne Menschen helfe. Ich weiß, daß mich das manchmal immernoch in Schwierigkeiten bringt, aber nehme das bewußt in Kauf und habe zum Beispiel inzwischen dieADS- Selbsthilfegruppe übernommen.

ADS ist inzwischen zu einem Bestandteil meines Lebens geworden, den ich durch MPH lerne, besser in den Griff zu bekommen.

Und immerhin hat es mir viele interessante virtuelle und reale Begegnungen ermöglicht, und ich habe dadurch sogar  eine wirklich gute „beste Freundin“ gefunden.
   
  






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